Artikel unter 'Alkoholismus und Tablettensucht'

Testierunfähigkeit und Medikamente

Medikamente spielen im Rahmen der Testierunfähigkeit eine Doppelrolle und zwar nicht nur, wenn der spätere Erblasser diese Medikamente durch einen Arzt verordnet erhält und diese normal zu sich nicht, sondern auch, wenn die Medikamentenvergabe durch eine andere Person gesteuert wird. Dies dann, wenn diese andere Person sich bestimmt Vorteile erhofft. Dabei kann es einerseits darum gehen, dass bestimmte Medikamente gegeben bzw. zwangsweise verabreicht haben, die die Willensbildung des Erblassers einschränken. Dies kann auch Fälle betreffen, in denen eine Medikamentenabhängigkeit entsteht. Andererseits kann umgekehrt auch ein Sachverhalt vorliegen, in dem die dritte Person dem Erblasser bestimmte Medikamente vorenthält, die gesundheitliche Einschränkungen mindern sollen. Diese Einschränkungen leben dann wieder auf. Zuletzt gibt es Fälle, in denen der Erblasser zu einem Testament oder einer Schenkung getrieben wird, indem ein Medikament vorenthalten wird und er das Medikament erst erhält, wenn das Testament oder die Schenkung durchgeführt wurden. Dies kommt häufig bei Schmerzmitteln vor. In allen Fällen ist eine Testierunfähigkeit des Erblassers zu prüfen.

Prof. Dr. Wolfgang Böh, München-Gräfelfing
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Erbrecht
Fachanwalt für Steuerrecht

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Testierunfähigkeit bei Korsakov-Syndrom

In vielen Fällen gibt es einen Alkoholabusus, der – wenn er chronisch ist – das sog. Korsakov-Syndrom begründen kann. Liegt ein solches Syndrom vor, kann die abhängige Person geschäftsunfähig und testierunfähig sein. Dies muss im Einzelfall geprüft werden und ist von Fällen abzugrenzen, in denen zwar ein erhöhter Alkoholabusus vorliegt, allerdings die Person nur in Phasen, in denen Alkohol konsumiert wird, nicht mehr zu einer freien Willensbildung in der Lage ist. Dann stellen sich schwierige Beweisfragen. In einem Fall des Autors lag ein gravierendes Korsakov-Syndrom vor, dass dazu geführt hatte, dass die Erblasserin nur noch mit einer hohen Schmerzmitteldosierung legen konnte und am Rücken offene Wunden hatte, die sie aufgrund der Alkoholerkrankung nicht mehr bemerkte. In diesem Fall hat der Gutachter eine Testierunfähigkeit bestätigt.

Prof. Dr. Wolfgang Böh, München-Gräfelfing
Rechtsanwalt
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Testierfähigkeit – Alkoholismus und Tablettensucht

Ist der Testierende chronisch alkoholkrank oder tablettenabhängig, wird seine Testierfähigkeit erst dann ausgeschlossen sein, wenn dieses Krankheitsbild das Stadium einer Geisteskrankheit erreicht hat.

Rechtsanwalt Prof. Dr. Volker Thieler, Rechtsanwältin Magdalena Gediga, München-Gräfelfing

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